Die Brut- und Setzzeit beginnt: Jungtiere brauchen Ruhe | Aktuelle Nachrichten und Informationen

Tierschutz beginnt schon mit einfachen Schritten: auf den Wegen bleiben, Hunde anleinen und Jungtiere nicht anfassen. Junghasen, Frischlinge und Kiebitzküken sind in ihren ersten Lebenswochen auf Tarnung und Ruhe angewiesen. Der Landesjagdverband bittet um besondere Rücksicht in der Brut- und Setzzeit.

Die Brut- und Setzzeit beginnt: Jungtiere brauchen Ruhe

Der Frühling lockt die Menschen nach draußen - zum Spazieren, Radfahren oder Gassigehen. Gleichzeitig beginnt für Wildtiere die sensibelste Zeit des Jahres: Von Frühjahr bis über den Sommer ist die Brut- und Setzzeit, in der Hasen, Wildschweine und viele andere Tiere ihren Nachwuchs zur Welt bringen und aufziehen. Gerade in den ersten Lebenswochen sind die Jungtiere auf ungestörte Rückzugsräume angewiesen. Schon einfache Maßnahmen wie auf den Wegen zu bleiben oder Hunde anzuleinen können entscheidend dazu beitragen. Jeder Einzelne kann jetzt Verantwortung übernehmen für Jungtiere, die gut getarnt im Wald, auf Wiesen und Äckern liegen und nur dann sicher sind, wenn sie ungestört bleiben.

Teils schon im Februar kommen die ersten Junghasen zur Welt. Füchse, Krähen, streunende Katzen und selbst Wildschweine zählen zu den Fressfeinden der Langohren. Während die Mutter blitzschnell mit bis zu 70 Kilometern pro Stunde fliehen kann, bleibt den Jungtieren nur eine einzige Strategie: Sie drücken sich geruchs- und regungslos in ihre Sassen, kleine Mulden auf Äckern und Wiesen. Dank ihres braunen Fells sind sie dabei nahezu unsichtbar. Auch die Wildschweine haben schon den ersten Nachwuchs des Jahres. Das Muttertier, die Bache, hat für ihre Frischlinge einen sogenannten Wurfkessel gebaut, ein großes Nest aus Laub, Gras und Ästen. Dort verbringen die etwa fünf bis acht Geschwister ihre ersten Lebenswochen. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, die dicke schlammbraune Borsten trägt, ist das dichte Haarkleid der Frischlinge nur leicht borstig und gelblich-braun mit dunklen Streifen. Dieses Jugendkleid ahmt das Licht-Schatten-Muster von Laub und Ästen nach und bietet den Frischlingen hervorragende Tarnung im Kessel. Bei Gefahr bleiben die Frischlinge eng beieinander und werden von der Bache energisch verteidigt.

Die Kiebitze kehren nun in ihre Brutgebiete zurück, wo sie – abhängig von der Witterung – schon ab März mit der Eiablage beginnen können. Einst besiedelte der „Gaukler der Lüfte“ Feuchtwiesen, weitläufig offene Gewässerränder und feuchte Ackerlandschaften. Doch die bevorzugte Heimat des Kiebitz ist selten geworden und das Nahrungsangebot geschrumpft. Weil der Kiebitz mit perfekt getarnten Eiern in flachen Mulden auf dem Boden brütet, können die Nester auch leicht versehentlich zerstört werden. Fuchs und Marder plündern jedes Nest, das sie finden können. Bis die Küken schlüpfen bleibt das Männchen in der Nähe, hält Wache und verteidigt das Nest. Die frisch geschlüpften Küken sind gelblich-braun mit dunklen Flecken und Streifen. Verharren sie reglos, verschmelzen sie geradezu mit dem Hintergrund. Als Nestflüchter folgen sie ihrer Mutter und suchen in den umliegenden Feuchtstellen nach Insekten, die sie für ihr schnelles Wachstum dringend benötigen. Gerade bei seltenen Arten wie dem Kiebitz wiegt jeder einzelne Verlust besonders schwer.

Diese Überlebensstrategien im heimischen Tierreich funktionieren nur, wenn die Jungtiere ungestört bleiben. Vielen ist nicht bewusst, wie leicht sie den wilden Nachwuchs in Gefahr bringen:

Oft reicht schon ein Schritt ins hohe Gras, ein freilaufender Hund oder eine kurze Fahrt mit dem Rad querfeldein. Für die Jungtiere bedeuten solche Begegnungen Angst, Stress und im schlimmsten Fall schwere Verletzungen oder den Tod.

Aus diesem Grund bittet der Landesjagdverband Baden-Württemberg während der Brut- und Setzzeit um besondere Rücksicht. Dazu gehört sowohl zu Fuß wie mit dem Rad auf den Wegen zu bleiben und Hunde an der Leine zu führen. Wer ein Jungtier entdeckt, sollte sich leise zurückziehen.

Ein achtsamer Umgang mit der Natur beginnt bei jedem Einzelnen:

  • Bitte nehmen Sie Rücksicht

  • Nehmen Sie die Hunde an die Leine

  • Bleiben Sie auf den Wegen

  • Fassen Sie die Jungtiere bitte nicht an